Fehldiagnosen können Leben kosten – oder zumindest massiv verschlechtern. Wer eine falsche oder verspätete Diagnose erhält, verliert wertvolle Zeit für eine richtige Behandlung – und steht oft hilflos da.
Doch: Patient:innen haben Rechte. Und juristische Mittel, diese durchzusetzen.
In diesem Ratgeber erfahren Sie:
– Was genau eine Fehldiagnose ist (inkl. Beispiele).
– Welche rechtlichen Ansprüche bestehen.
– Wie Sie sich schützen können.
– Was aktuelle Gerichtsurteile sagen
Was ist eine Fehldiagnose?
Eine Fehldiagnose liegt vor, wenn Ärzt:innen eine Erkrankung:
- falsch erkennen (z. B. Infarkt wird als Verspannung gewertet)
- überhaupt nicht erkennen
- zu spät erkennen
Laut dem Ärztlichen Zentrum für Qualität in der Medizin (ÄZQ) sind zwischen 10 und 15 % der Diagnosen fehlerhaft. Häufige Ursachen: mangelhafte Kommunikation, unzureichende Tests oder fehlerhafte Befundinterpretation.(Quelle: ÄZQ – Patienteninformation „Diagnosefehler“)
Häufige Gründe für Fehldiagnosen:
- Suboptimale Kommunikation zwischen Arzt und Patient.
- Fehlerhafte Interpretation von Untersuchungsergebnissen wie Röntgenbildern oder Laborbefunden.
- Das Unterlassen notwendiger zusätzlicher Untersuchungen.
Ein Beispiel aus der Praxis: Eine Patientin mit Brustschmerzen wird mit Verdacht auf Muskelverspannungen nach Hause geschickt. Spätere Untersuchungen zeigen jedoch, dass ein Herzinfarkt vorliegt. Solche Fehler können lebensbedrohlich sein und erfordern klare rechtliche Rahmenbedingungen, um die Rechte von Patientinnen und Patienten zu schützen.
Beispiele für Fehldiagnosen
Richtige Erkrankung | Falsche Diagnose |
Herzinfarkt | Muskelverspannung |
Schilddrüsenunterfunktion | Depression |
Darmverschluss | Reizmagen |
Lungenentzündung | Erkältung |
Krebs (z. B. Brustkrebs) | Gutartiger Knoten |
Folgen: Verzögerte Therapie, gesundheitliche Verschlechterung, bleibende Schäden oder sogar Todesfolge.
Ihre Rechte bei Fehldiagnosen: Was sagt das Gesetz?
§ 630a BGB – Sorgfaltspflicht bei der Behandlung
Ärzt:innen sind verpflichtet, nach dem allgemein anerkannten medizinischen Standard zu behandeln. Wird dieser verletzt, liegt ein Behandlungsfehler vor.
Grober Diagnosefehler → Beweislastumkehr
Bei gravierenden Fehlern muss nicht der Patient beweisen, dass der Arzt schuld ist – der Arzt muss seine Unschuld beweisen (BGH, VI ZR 158/11).
Patientenrechtegesetz
Seit 2013 gilt:
- Möglichkeit zur Beschwerde oder Schlichtung
- Einsicht in Patientenakte
- Pflicht zur Dokumentation
- Anspruch auf Aufklärung über Risiken
Wann haftet ein Arzt bei Fehldiagnose?

- Es liegt ein Verstoß gegen den medizinischen Standard vor.
- Sie haben einen gesundheitlichen Schaden erlitten.
- Es besteht ein Kausalzusammenhang
In vielen Fällen entscheidet ein medizinisches Gutachten, ob wirklich ein Fehler vorliegt.

Ihre Ansprüche bei Fehldiagnosen
Art des Anspruchs | Was Sie verlangen können |
Schmerzensgeld | Für körperliches und psychisches Leid |
Schadensersatz | Z. B. Verdienstausfall, Umbaukosten, Pflegebedarf |
Haftpflichtdeckung | Meist über die Versicherung der behandelnden Klinik |
Tipp: Holen Sie frühzeitig eine juristische Erstberatung bei einem Fachanwalt für Medizinrecht ein.
Erweiterung: Wie schützen Sie sich vor Fehldiagnosen?
Patientinnen und Patienten können aktiv zur Sicherung ihrer Gesundheit beitragen:
- Zweitmeinung einholen: Besonders bei gravierenden Diagnosen (z. B. Krebs, OP-Indikation).
- Symptome dokumentieren: Führen Sie ein Gesundheitstagebuch. Notieren Sie alle Beschwerden.
- Aktiv nachfragen: Lassen Sie sich Untersuchungsergebnisse erklären. Fragen Sie nach Alternativen.
- Digitale Patientenakte nutzen: Ermöglicht bessere Behandlung Koordination & Fehlervermeidung.
Die Rolle der Digitalisierung
Digitale Tools können helfen, Fehldiagnosen zu vermeiden:
- KI-gestützte Diagnostik (z. B. Hautbildanalyse, Radiologie)
- Checklisten & Entscheidungshilfen für Ärzt:innen
- Zentraler Zugriff auf Daten (z. B. Vorerkrankungen, Medikamente)
Wichtig: Diese Systeme sind Ergänzungen, kein Ersatz für ärztliche Sorgfalt.

FAQ: Häufige Fragen zu Fehldiagnosen
Wie lange kann ich nach einer Fehldiagnose Ansprüche geltend machen?
Die Verjährung beträgt 3 Jahre ab Kenntnis des Fehlers – spätestens jedoch 10 Jahre nach dem Ereignis (§ 195 BGB).
Was kostet ein medizinisches Gutachten?
Zwischen 500 und 2.500 € – kann im Verfahren über die Haftpflichtversicherung abgedeckt sein oder von Schlichtungsstellen organisiert werden.
Was zählt als grober Behandlungsfehler?
Ein grober Fehler liegt vor, wenn ein Standard so klar verletzt wurde, dass er einem durchschnittlichen Arzt niemals hätte passieren dürfen.
Fazit
Fehldiagnosen sind ein ernstes Thema mit weitreichenden Konsequenzen. Rechtliche Regelungen bieten Schutz und Möglichkeiten für Betroffene, ihre Ansprüche durchzusetzen. Die Stärkung von Patientenrechten, die Nutzung moderner Technologien und eine offene Kommunikation zwischen Patient und Arzt sind zentrale Schritte, um die Anzahl von Fehldiagnosen zu reduzieren.
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